Diabetes – was ist das eigentlich?

Diabetes mellitus ist der Sammelbegriff für vielfältige Störungen des menschlichen
Stoffwechsels, deren Hauptmerkmal die chronische Hyperglykämie (Überzuckerung) ist.
Daher spricht man auch von der „Zuckerkrankheit“.
Das Insulin, ein lebensnotwendiges Stoffwechselhormon, das den Kohlenhydrat-, Fett- und
Eiweißstoffwechsel steuert, spielt bei der Entwicklung eines Diabetes eine entscheidende
Rolle. So liegen die Ursachen für eine Diabetes-Erkrankung in unterschiedlichen Störungen
der Freisetzung des Insulins aus den sogenannten Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse bis hin
zu einem absoluten Insulinmangel.
Auslöser können außerdem graduell sehr unterschiedliche Störungen der Insulinwirkung an
wichtigen Organen wie Gehirn, Leber, Muskulatur und Fettgewebe sein.

Typ-1-Diabetes

Der Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmun-Erkrankung, bei der die Insulin-produzierenden
Zellen in den sogenannten Langerhans´schen Inseln der Bauchspeicheldrüse durch das
körpereigene Abwehrsystem zerstört werden.
Der Körper produziert kein Insulin mehr. Es kommt zu einem absoluten Insulinmangel mit
der Folge, dass die in der Nahrung enthaltenen Brennstoffe (z.B. Traubenzucker=Glukose)
nicht mehr ausreichend in die Körperzellen geschleust und verstoffwechselt werden können.
Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen daher ein Leben lang mehrfach am Tag Insulin
spritzen und die Insulindosis immer wieder anpassen, um die Blutglukose möglichst stabil
und normal einzustellen. So können schwerwiegende Folgeerkrankungen an Gefäßen und
Nerven weitgehend verhindert oder wesentlich verzögert werden.
Der klassische Typ-1-Diabetes tritt vornehmlich bei Kindern, Jugendlichen und jungen
Erwachsenen auf und betrifft 0,3 bis 0,4% der Bevölkerung.

Typ-2-Diabetes

Etwa 90% der Betroffenen haben einen Typ-2-Diabetes.
Kennzeichnend für diese Diabetes-Form ist, dass die Wirkung des Insulins in den
Körperzellen vermindert ist (=Insulinresistenz), immer gleichzeitig gekoppelt mit einem
Insulinmangel.
Der Typ-2-Diabetes ist extrem vielschichtig und komplex und zeigt sich in unterschiedlichen
Graden von Insulinresistenz und Insulinmangel.
Der Typ-2-Diabetes oder dessen Vorstufen (erhöhte Nüchtern-Plasma-Glukose und/oder
gestörte Glukosetoleranz = Prädiabetes) sind häufig mit anderen Problemen des
Metabolischen Syndroms verknüpft. Dieser Diabetes-Typ geht zu über 80% mit Fettleibigkeit
(Adipositas) einher.

Beeinträchtigungen und Folgeerkrankungen

Diabetes kann zu akuten und chronischen Komplikationen im Körper führen. Daher muss die
Diagnose eines Diabetes unbedingt ernst genommen werden.
Akute Komplikationen sind Infektionen (Haut, Schleimhäute, Infektionen der Luft- oder
Harnwege), schwere Überzuckerungen (z.B. ausgelöst durch eine Infektion) bis hin zum
Zucker-Koma sowie Unterzuckerungen, die besonders gefährlich sind.
Chronische Komplikationen entwickeln sich meist schleichend über die Jahre, insbesondere
bei den Menschen mit Diabetes, die eine unzureichende Stoffwechseleinstellung haben oder
nichts von ihrer Erkrankung wissen. Im Vordergrund stehen Komplikationen an den großen
(Makroangiopathie) und den kleinen (Mikroangiopathie) Blutgefäßen und am Nervensystem.
Chronische Komplikationen führen häufig zu schwerwiegenden Begleit- und Folgeproblemen
wie

  • Herzerkrankungen
  • Schlaganfall
  • chronische Fusswunden bis zu Amputationen
  • Nierenversagen
  • Sehstörungen
  • Nervenstörungen


Nach aktuellen Zahlen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) kommt es im Jahr zu
50.000 Fußamputationen, 2.000 Diabetiker erblinden und 2.300 Diabetiker müssen an die
Dialyse. Durch Diabetes und seine Folgekrankheiten kommt es bis ins hohe Lebensalter zu
einem deutlichen Verlust an Lebensjahren.

Woran erkenne ich Diabetes?

Die klassischen Symptome wie Gewichtsverlust, auffälliger Durst und erhöhten Harnfluss
werden vor allem bei jüngeren Menschen mit einem beginnenden Typ-1-Diabetes beobachtet.
Bei älteren Menschen sind diese Beschwerden eher untypisch. Deshalb ist es sinnvoll, im
Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Check-up beim Arzt) den Nüchtern-Glukosewert
und den HbA1c Wert kontrollieren zu lassen.

Symptome eines beginnenden Typ-1-Diabetes

  • Übermäßiger Durst
  • Häufiges Wasserlassen
  • Müdigkeit/Abgeschlagenheit
  • Allgemeine Schwäche
  • Hunger oder Appetitlosigkeit
  • Plötzlicher Gewichtsverlust
  • Schlecht heilende Wunden
  • Erhöhte Infekt-Anfälligkeit
  • "Verschwommensehen"


! Symptome sind bei Menschen mit Typ-2-Diabetes meist viel unspezifischer oder weniger
klar ausgeprägt als bei Menschen mit Typ-1-Diabetes !

  • Müdigkeit, Leistungsschwäche, Antriebsarmut
  • Depressive Verstimmungen
  • Störungen der Merkfähigkeit und Konzentration
  • Hunger, Polyphagie (krankhaft gesteigerter Appetit / krankhaft gesteigerte Nahrungsaufnahme)
  • Allgemeine Infektionsneigung (Haut, Schleimhäute, Harnwege)
  • Juckreiz
  • Folgeerkrankungen des Diabetes

Risikofaktoren für die Entstehung 

Insbesondere bei Menschen mit einem hohen Risiko einen Typ-2-Diabetes zu
entwickeln, sollte alle 2 Jahre im Rahmen des Check-up 35 ein Screening auf Diabetes erfolgen.

  • Menschen über 45 Jahre
  • Männer und Frauen mit einem BMI ≥27 kg/m2
  • Menschen mit Bluthochdruck ≥140/90 mm Hg
  • Menschen mit Fettstoffwechselstörungen
  • Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung oder Durchblutungsstörungen des Gehirns
  • Menschen, bei denen Diabetes in der Familie bereits vorkommt
  • Menschen, bei denen schon mal erhöhte Blutzuckerwerte gemessen wurden
  • Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten (insbesondere diejenigen, die während der Schwangerschaft mit Insulin behandelt wurden)
  • Frauen, die Kinder mit mehr als 4.000 Gramm geboren haben
  • Frauen mit Polyzystischem Ovar-Syndrom (Hormonstörung bei jüngeren Frauen)
  • Rauchern